„Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern. Eine Alleinherrschaft wird beendet. Demokratie atmet wieder auf.“

Wer: Robert Habeck
Wann: 12. Oktober 2018
Wo: Twitter

Jüngst wurde ich mal wieder dreist nach den Regeln des Internetzeitalters hereingelegt, als ich auf Twitter gutgläubig folgende reißerische Schlagzeile las:

Schockaussage vor Bayern-Wahl – Grünen-Chef Habeck sorgt für Entsetzen

Natürlich dachte ich sogleich: Geil, neuer Stoff für mein Blog. Mal sehen, was dieses Mal wieder so ein Grüner für Stuß erzählt hat.

Mal abgesehen von Äußerungen zu Heimat, Vaterland, Volk und Patriotismus ist Habeck eigentlich nicht dafür bekannt, gedanklichen Sondermüll von sich zu geben. Für mich ist er einer der sympathischeren Grünen.

Als ich dann den verlinkten „Bild“-Artikel las, mußte ich denn auch enttäuscht feststellen, daß hier ein Riesenwind um eine Petitesse gemacht wurde. Einmal mehr mußte ich realisieren, daß in Deutschland „kapitalistische Pressefreiheit“ herrscht. Gedruckt und geschrieben wird das, was Geld bringt. Was viele Klicks generiert.

Robert Habeck sagte zwei Tage vor der Wahl nichts weiter als das:

Das ist eine unsagbar harmlose und völlig zulässige Polemik in Wahlkampfzeiten. Die „Bild“-Zeitung hyperventiliert:

Der Grünen-Chef tut darin so, als sei die aktuelle CSU-Führung in Bayern KEINE demokratisch gewählte Regierung – dabei hat es noch nie Zweifel daran gegeben, dass die CSU ihre Wahlen immer nach den Regeln der Demokratie gewonnen hatte.

„Alleinherrschaft“ klingt außerdem gefährlich nach Diktatur – als gäbe es die Konkurrenz der anderen Parteien überhaupt nicht. Vielleicht meinte er „Alleinregierung“?

Auch eine „Alleinregierung“ herrscht allein, Ihr Volltrottel von der „Bild“.

Demokratie bedeutet Wandel. Regierungsparteien werden ab und an abgelöst. In Bayern geschieht das höchst selten bis nie. Da wird auch zukünftig die CSU die Mehrheit und den Bayernhäuptling stellen.

Ich persönlich bin nicht verlegen darin, auf Grüne verbal einzudreschen. Das sollte dann aber auch wirklich nur in begründeten Fällen geschehen. Dieser hier gehört nicht dazu. Denn das Wort „Demokratie“ kann man auch im übertragenen Sinne verstehen. Und genau so wird es Robert Habeck gemeint haben. Aber was soll man auch von einer Zeitung wie der „Bild“ erwarten?

Viel interessanter im Zusammenhang mit der Bayern-Wahl ist die allseitige hysterisch-positive Berichterstattung zum Ergebnis der Grünen. Ich hatte es zuletzt nicht für möglich gehalten, daß die Öko-Partei in Bayern auf 18 Prozent kommen könnte, zumal mit solch einer histrionischen, feministisch gehirngewaschenen Spitzenkandidatin. Allerdings kannte ich als Preuße auch nicht die besonderen lokalen Gegebenheiten Bavarias.

Ein paar Tage nach der Wahl ist mir dann ein Licht aufgegangen, warum die Grünen aller Wahrscheinlichkeit nach so gut abschnitten. Die Grünen waren die treibende Kraft beim Nein zu Olympia und beim Nein zur Flughafenerweiterung in München. Das sind Themen, die viele Bayern betreffen und umtreiben. Es verwundert daher auch nicht, daß die Grünen in München stärkste Kraft wurden und auch andernorts reüssierten. Auch der Untergang des Ozeandampfers SPD führte wohl dazu, daß sich viele Wähler in die grünen Beiboote retteten.

Was macht nun unsere Lügenpresse daraus? Fragen wir doch mal exemplarisch Jakob Augstein:

Wer ohne Vorbehalte, Abstriche oder Einschränkungen für ein weltoffenes, proeuropäisches und menschenfreundliches Deutschland steht, konnte am Ende tatsächlich nur bei den Grünen sein Kreuz machen. Angela Merkel hatte zwar seinerzeit gesagt: „Wir schaffen das.“ Aber die Einzigen, die den Eindruck vermitteln, als glaubten sie das auch wirklich, sind die Grünen.

Der Glaube hilft also. Man muß an die Willkommenskultur nur richtig glauben. Dann wird man auch gewählt. Und dann dieser Abschnitt in bester Augsteinistik:

Ja, Migration ist eine Herausforderung. Und was für eine. Aber es ist bei Weitem nicht die größte. Wenn man die Leute fragt, welche Themen ihnen wichtig sind, rangiert die Migration im hinteren Mittelfeld. Rente, Mieten, Steuern, Kriminalität, Umwelt kommen davor.

Ich will hier nicht so tun, als gäbe es keine rationalen Gründe, in München und größeren Städten grün zu wählen. Man muß aber wohl ein Augstein sein, um die obigen Themen so fein säuberlich zu trennen und hier einen Gegensatz aufzumachen. Denn einzig das Thema Umwelt wird durch die Migrationskrise nicht berührt. Alle übrigen genannten Themen werden teilweise sogar mehr als offensichtlich durch den Asylwahn tangiert.

Man muß wohl wirklich im Elfenbeinturm der Lügenpresse sitzen, wenn man so dämlich die Angst vor Kriminalität und die Flüchtlingskrise nicht in einen Zusammenhang bringt, wie Augstein das tut. Vom Mietenproblem wollen wir hier erst gar nicht reden.

Augsteinistik sollte als Zauberdisziplin auf Schloß Hogwarts gelehrt werden. Oder als psychiatrisches Krankheitsbild Eingang in die Medizingeschichte finden.

Die Grünen sind nichts anderes als ein Dopingfall der bayerischen Politik. Ihre Aufputschsubstanzen hießen Olympia und dritte Startbahn. Linkspopulistische Journalisten kriegten sich aber ob des fulminanten Ergebnisses gar nicht mehr ein und wähnten darin ein klares Nein gegen den sogenannten Rechtspopulismus und ein Ja zum Asylwahn.

Ich fürchte, da liegen unsere Qualitätsjournalisten falsch. Denn die Freien Wähler sind in Bayern nichts anderes als eine etwas bravere AfD, und bekanntlich hat das bürgerlich-konservative Lager in Bayern zugelegt, wohingegen das linke Lager Federn lassen mußte.

Es ist jedenfalls peinlich, wie sehr sich der Journalisten-Troß nach der Wahl für die Grünen ins Zeug legte und unverkennbar enttäuscht reagierte, als die CSU mit den Freien Wählern der bayerischen Demokratie frischen Wind einzuhauchen gedachte.

Wie dem auch sei, die Grünen sind jetzt jedenfalls auch mit 18 Prozent ordentlich gefickt.